Pflegetage im Herrngras in Moosbrunn

Umweltgemeinderat Ing. Günther Schätzinger bedankte sich bei den freiwilligen Helfer*innen. © LPV/Drozdowski
Freiwillige Helfer*innen am ersten Tag des Pflegeeinsatzes. © LPV/Drozdowski
Bunt blühende Feuchtwiese - im Vordergrund der Duft-Lauch in Hellrosa-Weiß. © LPV/Drozdowski
Rückschnitt des Schilfs mit dem Balkenmäher. © LPV/Drozdowski
Das Mähgut wurde zusammengerecht. © LPV/Drozdowski
Mittels Planen wurde das Schnittgut von der Fläche entfernt. © LPV/Drozdowski
Das Schnittgut wurde zu einem Haufen aufgetürmt. © N. Sauberer
Gehölze wurden von der Fläche entfernt, um die künftige Mahd zu erleichtern. © N. Sauberer
Abtransport des Schnittguts. © N. Sauberer
Gras-Glucke - eine Nachtfalter Rarität. © LPV/Drozdowski
Auch Pausen müssen sein! © LPV/Drozdowski
Erfolgreicher Pflegetermin. © LPV/Drozdowski

Das Herrngras in Moosbrunn ist ein Feuchtgebiet mit Niedermoorflächen, Mähwiesen und einem bemerkenswerten Repertoire an unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten im Natura 2000-Gebiet Feuchte Ebene - Leithaauen. So kommt dort beispielsweise das Moor-Wiesenvögelchen vor, eine der seltensten Tagfalterarten Österreichs. Abgesehen vom Vorkommen in Moosbrunn wurde es österreichweit nur an einem Standort in Vorarlberg nachgewiesen. Auch botanische Raritäten wie Sumpf-Gladiole, Feuchtwiesen-Prachtnelke, Gewöhnliche Simsenlilie oder Kanten-Lauch gedeihen in diesem herausragenden Naturgebiet.

Da das Areal stellenweise sehr nass und der Boden dadurch sehr weich ist, wurden die nassen Teilbereiche im Herrngras seit über 40 Jahren nicht mehr gemäht. Schilf und Gehölze haben sich ausgebreitet und drohen die seltenen Niedermoor-Arten zu verdrängen. Um dem Verlust dieses bemerkenswerten Lebensraums entgegen zu wirken, organisierten wir einen zweitägigen Pflegeeinsatz im Herrngras. Vorbereitend dafür wurden von uns bereits am Samstag davor zwei Teilflächen mit dem Balkenmäher gemäht.

Jeweils neun freiwillige Helfer*innen arbeiteten am Montag und am Dienstag - ausgerüstet mit Rechen, Balkenmäher und reichlich Wasser - im Herrngras. Den hohen Temperaturen zum Trotz ging die Arbeit gut voran und wir konnten am Montag die beiden vorgemähten Teilflächen erfolgreich vom Mähgut befreien. Auch zahlreiche Gehöze wurden entfernt, um künftige Mäheinsätze zu erleichtern. Am Dienstag mähten wir ein ein weiteres Teilstück des Areals mit dem Balkenmäher, rechten das Mähgut zusammen und türmten es zu einem Haufen auf. Das Schneiden des Schilfs in der Vegetationsperiode ist aktuell auf den betreffenden Flächen sehr wichtig, um das Schilf zu schwächen und damit wieder zurück zu drängen. Durch das Wegrechen und Entfernen von der Fläche entstehen freie Bodenstellen, an welchen sich die Feuchtwiesen-Arten erneut etablieren und ausbreiten können. Als Abschluss des Pflegeeinsatzes wurde noch gemeinsam eine kleine Fläche von der invasiven und nicht heimischen Kanadischen Goldrute entfernt, die im Herrngras zum Glück nur äußerst vereinzelt vorkommt und das soll auch so bleiben.

Der Naturschutz-Einsatz blieb nicht unbemerkt: Umweltgemeinderat Günther Schätzinger stattete uns einen Besuch ab und bedankte sich für unseren engagierten Einsatz. Auch Ernst Spitzbart, Leiter der ORS Kurzwellen-Sendestation Moosbrunn, bot im Rahmen eines Vortrags spannende technische Einblicke. Am Gelände befindet sich seit 1959 eine Großsendeanlage der Österreichischen Rundfunksender GmbH (ORS), die auch die Grundeigentümerin ist. Die dortigen Rundfunksendeanlagen gehören zu den leistungsstärksten Mittel- und Kurzwellensendern in Europa und sind heute noch in Betrieb. Nobert Sauberer vom NÖ Schutzgebietsnetzwerk gab den Teilnehmer*innen am ersten Tag einen vielfältigen ökologischen und historischen Einblick in das Gebiet.

Bei den Pflegemaßnahmen durch die Freiwilligen des Landschaftspflegevereins handelt es sich um die ersten Naturschutz-Maßnahmen auf den betreffenden Brachflächen, die seit Jahrzehnten wieder durchgeführt wurden. Bereits im Jänner wurden die Flächen als Erstmaßnahme mit einem ferngesteuerten Wiesenmulcher gemäht, um einen über Jahrzehnte abgelagerten Schilf-Filz zu entfernen. Erst dann ist der Einsatz eines Balkenmähers überhaupt möglich. Die Maßnahmen ergänzen die in den letzten Jahren über das NÖ Schutzgebietsnetzwerk unter fachlicher Leitung von Norbert Sauberer durchgeführten kleinflächige und mosaikartig angelegten Mahd-Maßnahmen zur Förderung des Moor-Wiesenvögelchens. Feuchtwiesen-Pflanzen wie die Feuchtwiesen-Prachtnelke oder die Sumpf-Gladiole sollen sich so wieder großflächiger ausbreiten können und gleichzeitig soll das Moor-Wiesenvögelchen wieder mehr Flächen zur Eiablage finden.

Die Pflege-Maßnahmen im Herrngras in Moosbrunn werden von der Naturschutzstiftung Blühendes Österreich über das FLORA-Programm finanziell unterstützt. Sie finden in fachlicher Kooperation mit dem NÖ Schutzgebietsnetzwerk statt.

Wir danken allen Freiwilligen für ihren Einsatz!