In den frühen Abendstunden und bei hochsommerlichen Temperaturen erkundeten heute acht Naturbegeisterte mit unseren Biolog:innen Alex und Irene die Welt der Trockenrasen am Sonnenweg in Bad Vöslau. Das Gebiet zählt zu den artenreichsten Trockenrasen der Thermenlinie und stellt einen bedeutenden, EU-weit geschützten Offenland-Lebensraum dar.
Während der rund zweistündigen Exkursion erhielten die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Geschichte des Gebiets, die Entstehung und Gefährdung dieser besonderen Lebensräume sowie die ökologische Bedeutung von Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen. Ursprünglich wurden Trockenrasen durch große Pflanzenfresser wie Mammuts, Wisente und später durch die Weidetiere des Menschen offengehalten. Heute sind sie ohne gezielte Pflegemaßnahmen stark von Verbuschung und Verwaldung bedroht.
Zu Beginn führte die Exkursion durch schattige Waldbereiche, in denen sich Relikte der ehemaligen Steppenvegetation finden lassen. Samenstände von Federgras (Stipa sp.) und Großer Kuhschelle (Pulsatilla grandis) sowie die Blütenstände der Aufrechten Trespe (Bromus erectus) und des strahlend gelb blühenden Rauhaarigen Alants (Inula hirta) lassen auf die ehemals offene Landschaft schließen. Auf den offenen Flächen angekommen, zeigte sich die beeindruckende Vielfalt des Lebensraums: kräftig violett blühender Wiesensalbei (Salvia pratensis), die Herzblatt-Kugelblume (Globularia cordifolia) sowie der Deutsche Backenklee (Dorycnium germanicum) prägen das Vegetationsbild. Auch die Weinrose (Rosa rubiginosa), deren Blätter bei Reibung einen charakteristischen Duft verströmen, war hier zu finden.
Neben der Pflanzenwelt konnten auch typische Tierarten beobachtet werden. Dazu zählen die Zebraschnecke (Zebrina detrita), die Wiener Schnirkelschnecke (Cepaea vindobonensis) sowie die Östliche Heideschnecke (Xerolenta obvia), die als wichtige Indikatoren für intakte Trockenrasen gelten. Ebenfalls bemerkenswert war der Streifen-Schneckenspringer (Pellenes nigrociliatus), eine seltene Springspinnenart, die leere Schneckenhäuser mit Spinnfäden in der Vegetation aufhängt und dann als Brutkammern nutzt. Ein weiteres Highlight stellte die Beobachtung zahlreicher Gallen an Flaumeichen (Quercus pubescens) dar, die von verschiedenen Gallwespenarten (Cynipidae) verursacht werden und die Bedeutung einzelner Arten für viele weitere verdeutlichen.
Zum Abschluss wurde noch die ehemalige Kuhheide besichtigt, eine frühere Ackerfläche, die als magerer, trockener Offenstandort entwickelt wird. Die Fläche wurde vor zwei Jahren händisch mit regionalem Wildblumensaatgut (REWISA) eingesät und zeigt bereits eine passende Entwicklung. So konnten unter anderem die Echte Kamille (Matricaria chamomilla), der Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense), die Sibirische Glockenblume (Campanula sibirica), der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) sowie die Pannonische Karthäusernelke (Dianthus pontederae) in bunter Blüte bewundert werden.
Im Zuge der Exkursion wurden auch die notwendigen Pflegemaßnahmen zur Erhaltung der Trockenrasen thematisiert. Um den offenen Charakter dieser artenreichen Lebensräume zu bewahren, sind regelmäßige Entbuschungsmaßnahmen erforderlich. Dies ist auch im Kontext der aktuellen EU-Renaturierungsziele von großer Bedeutung, die unter anderem die Wiederherstellung von Offenlandlebensräumen fördern. In diesem Zusammenhang wurde auch gleich ein spannendes Renaturierungsprojekt des Landschaftspflegevereins vorgestellt: am Hüterriegel soll eine rund ein Hektar große Fläche durch die schrittweise Entfernung von Föhren und den Einsatz von Ziegenbeweidung wieder in einen artenreichen Trockenrasen zurückgeführt werden.
Die Exkursion fand in Kooperation des Landschaftspflegevereins mit der Stadtgemeinde Bad Vöslau und Biosphärenpark Wienerwald Management statt und wird durch die Stadtgemeinde Bad Vöslau finanziert. Die genannten Beteiligten sind ein wichtiger Teil der Netzwerk Natur Region - unseres Netzwerks an Menschen für ein Netzwerk an Naturflächen, an dem sich bereits 23 Gemeinden, 3 Wiener Bezirke und zahlreiche Vereine, Schulen, Landwirt:innen und Unternehmen der Region Thermenlinie-Wiener Becken beteiligen.
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Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Margaretha Holtmann, Praktikantin LPV, erstellt.















