Fachexkursion zur Beweidung von Trockenrasen und Wiederherstellungsflächen

Expert:innen erzählen bei Exkursion
Biologin erzählt über Beweidung
Kunstwerke am Symposion Lindabrunn
Ästige Graslilie (Anthericum ramosum)
Steppenfenchel (Seseli annuum)
Bei der Exkursion
Aufrechte Waldrebe (Clematis recta)

Bei strahlend blauem Himmel führte heute eine Fachexkursion der Naturschutzakademie in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverein nach Bad Vöslau und zum Symposion Lindabrunn. Unter der Leitung unserer Biolog:innen Irene und Alex erhielten die Teilnehmer:innen einen tiefen Einblick in die naturschutzfachlich betreute Beweidung und konnten dabei auch ihr eigenes Wissen und ihre Erfahrungen einbringen.

Im Fokus standen die Trocken- und Halbtrockenrasen der Thermenlinie. Seit über 600.000 Jahren prägen einzigartige Offenlandlebensräume die Region. Einst grasten hier Mammuts, Wildrinder und Wildpferde. Nach dem Verschwinden der großen wildlebenden Pflanzenfresser übernahmen Nutztiere zunehmend die Beweidung. Relikte wie Hiatahüttn (Hirtenhütten) zeugen noch heute von dieser langen Weidetradition. Mit großen Herden zogen die Hirten einst entlang der Thermenlinie bis nach Wien. Heute sind von den einst großflächigen Weidegebieten nur noch wenige wertvolle Trockenrasenflächen erhalten.

Der erste Teil der Exkursion führte die Gruppe nach Bad Vöslau. Dort finden sich entlang des Sonnenwegs am Südhang des Harzberges nur noch wenige Trockenraseninseln. Seit 2010 werden diese „Fleckerl" im Rahmen verschiedener Projekte schrittweise verbessert, vergrößert und miteinander vernetzt. Beweidung spielt dabei eine zentrale Rolle. Davon profitieren zahlreiche seltene und spezialisierte Arten wie Berglauch (Allium lusitanicum), Zwergschwertlilie (Iris pumila), Gold-Aster (Galatella linosyris) und Ästige Graslilie (Anthericum ramosum)

Besonders spannend waren die Einblicke in das aktuelle Wiederherstellungsprojekt. Seit 2024 werden in Bad Vöslau, Pfaffstätten und Baden insgesamt rund sieben Hektar (Halb-)Trockenrasen auf ehemaligen Waldflächen wiederhergestellt. Besprochen wurden auch der Genehmigungsprozess und die Vorbereitung der Flächen. Durch die mehrmalige Beweidung mit Ziegen werden Sträucher im Unterholz geschwächt und die Flächen für die anschließende Rodung vorbereitet. Die Wiederherstellung leistet damit auch einen Beitrag zur Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung.

Nach einer kleinen Stärkung versammelte sich die Truppe nachmittags beim Symposion Lindabrunn, dem zweitgrößten zusammenhängenden Trockenrasengebiet an der Thermenlinie. Hier wird bereits seit den 1990er Jahren mit Schafen und Ziegen beweidet. Nach Phasen mit und ohne fachlicher Betreuung zeigte sich, wie wichtig ein kontinuierliches, adaptives Management ist, um bei ungünstigen Entwicklungen rechtzeitig gegenzusteuern und neue Erkenntnisse einzubeziehen.

Denn Beweidung ist nicht gleich Beweidung. Tierarten, Beweidungszeitpunkt, -dauer und Tierzahl müssen an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden. Je nach Niederschlag und Entwicklung des Grasfilzes werden die Managementpläne daher mittlerweile jährlich angepasst. Dieser zeitintensive Prozess ist entscheidend, um die seltenen und anspruchsvollen Arten des Gebietes zu schützen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Bedeutung einer solchen fachlichen Betreuung ist die erst 2020 im Gebiet entdeckte Gelblein-Biene (Hoplitis mocsaryi). Die seltene Wildbiene sammelt ausschließlich am Pollen von Gelbem Lein Gelben Lein (Linum flavum) und ist damit eng an das Vorkommen dieser Pflanze gebunden.

Auch über die Finanzierung von Beweidungsprojekten wurde ausführlich gesprochen. Naturschutzfachlich gut geplante Beweidung ist eine wichtige Leistung für den Erhalt der Artenvielfalt, gleichzeitig müssen die dafür notwendigen Leistungen auch für die Beweider:innen wirtschaftlich tragfähig sein. Über die ganze Veranstaltung hinweg gab es regen Austausch zwischen den Teilnehmer:innen. Die vielen Fragen während der Exkursion unterstreichen das steigende Interesse an dieser besonderen und ursprünglichen Form der Landschaftspflege. Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmer:innen für den spannenden Austausch und den gemeinsamen Tag!

Benjamin Rödlich und Sandra Girsch, Landschaftspflegeverein