Zu Beginn unseres Praktikums war uns noch nicht klar, was uns in den kommenden Monaten beim LPV erwarten würde. Rückblickend können wir sagen: Es war eine intensive, lehrreiche und sehr abwechslungsreiche Zeit.
Für mich (Stefan) begann das Praktikum in der ersten Augustwoche mit der Umweltbaustelle in Pfaffstätten. Torben war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Österreich. Trotz der großen Hitze war der Start in mein Praxissemester gelungen, da noch sehr viele Trockenrasen-Pflanzen in voller Blüte standen und seltene Tierarten wie Steirischer Fanghaft (Mantispa styriaca) und Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria) beobachtet werden konnten. Kurz darauf folgte ein weiterer Pflegeeinsatz in Moosbrunn. Dort stand der Lebensraum Feuchtwiese im Vordergrund und ich lernte wiederum spannende Arten kennen. Arbeiten bei über 35 °C und praller Sonne waren herausfordernd, wurden jedoch durch die blühende Landschaft und sichtbare Arbeitserfolge belohnt. In den ersten Wochen gab es außerdem mehrere Pflegeeinsätze zur Bekämpfung invasiver Neophyten wie Goldruten (Solidago canadensis und Solidago gigantea). Dann kam auch schon Torben.
Ich (Torben) traf Stefan das erste Mal bei der Nature Challenge in Enzesfeld-Lindabrunn – ohne es zunächst zu bemerken. Stefan hielt mich für einen Ameisenexperten, obwohl ich mir lediglich die dort vorkommenden Braunschwarzen Rossameisen (Camponotus ligniperda) anschaute. Nachdem wir dieses anfängliche Missverständnis geklärt und uns als Praktikums-Kollegen identifiziert hatten, konnten wir uns gemeinsam mit der Flora und Fauna des Symposiums vertraut machen. Es handelt sich um ein äußerst artenreiches und spannendes Gebiet, in dem wir dank zahlreicher Expert:innen verschiedener Artengruppen viele lehrreiche und nützliche Informationen erhielten.
Ein besonderes Highlight unseres Praktikums war die Zusammenarbeit mit der Schäferin Christa Veits. Wir unterstützten sie beim Auf- und Abbau der Weidezäune sowie beim Umtreiben der Schafe und erhielten dabei einen wertvollen Einblick in die Praxis der Beweidung. Besonders eindrucksvoll war zu sehen, wie anspruchsvoll es ist, naturschutzfachliche Ziele mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu vereinbaren.
Als Nächstes folgten mehrere intensive Pflegewochen. Den Auftakt machte die Heidepflegewoche in Perchtoldsdorf, die perfektes Wetter und viele Beobachtungen seltener Arten mit sich brachte: Sägeschrecken (Saga pedo), viele Smaragdeidechsen (Lacerta viridis), Rote Röhrenspinnen (Eresus kollari), Steppen-Sattelschrecken (Ephippiger ephippiger) und Goldschopf-Astern (Galatella linosyris). Es folgten die Pflegewochen in Bad Vöslau und Pfaffstätten. Leider spielte das Wetter in der ersten Woche nicht ganz so mit, doch aufgrund der kleinen Gruppe und der abwechslungsreichen Arbeit verging die Woche sehr schnell.
Anschließend feierten wir das Heidefest bei bestem Herbstwetter, unterstützten das Programm als Ziesel-Maskottchen „Perzi“ und verkauften leckere Brote sowie köstlichen Sturm. Darüber hinaus nahmen wir an zahlreichen weiteren Pflege- und Bildungseinsätzen in verschiedenen niederösterreichischen Gemeinden teil. Besonders bereichernd war der Austausch mit anderen Praktikant:innen, sowohl während der Arbeit als auch bei gemeinsamen Aktivitäten außerhalb der LPV-Termine.
Eine willkommene Abwechslung zur körperlich anspruchsvollen Pflegearbeit bot das Bildungsprogramm „Hecken entdecken“ in den Gemeinden Brunn am Gebirge und Gumpoldskirchen. Dabei ging es darum, mit Volksschulklassen Hecken aus einheimischen Sträuchern und Jungbäumen gemeinsam zu pflanzen. Den Kindern Wissen über die ökologische Bedeutung von Hecken zu vermitteln und das Einpflanzen zu erklären, machte uns besonders viel Spaß.
Nach einem arbeitsreichen Herbst auf den Trockenrasenflächen stand im November erneut die Pflege der Feuchtwiesen in Moosbrunn an. Hier lag der Fokus auf der Mahd von Schilf und Pfeifengras sowie dem Zusammenrechen des Schnittguts. Dieses durften wir zu riesigen Haufen zusammenrechen. Dabei wurde die Fähigkeit belohnt, nicht in tiefe, mit Wasser gefüllte, Löcher im Boden zu treten. Ein weiterer spannender Arbeitsbereich war die Pflege des seltenen, endemischen Dickwurzel-Löffelkrauts (Cochlearia macrorrhiza), bei der wir einzelne Wuchsorte betreuen und sogar die Pflanze kosten durften.
Den Abschluss des Jahres bildete die Weihnachtsfeier beim Griechen in P‘dorf (Perchtoldsdorf). Nach der ausgedehnten und wohlverdienten Weihnachtspause erhielten wir von Alex eine Einführung in die Anzucht von Wildpflanzen für den Artenschutz – ein Bereich, bei dem viele kleine Details über den Erfolg entscheiden.
Uns hat die Zeit beim LPV besonders viel Spaß gemacht und wir haben viel über die Thermenlinie gelernt. Die praktische Arbeit in der Natur war immer ein guter Ausgleich zum Großstadtleben in der Alpenstadt Wien. Erwähnenswert sind außerdem die anderen Praktis, mit denen wir viel Spaß bei den Pflegeterminen hatten und die uns viel über das Wiener Alltagsleben (Mülltrennung) beigebracht haben.
Vielen Dank an Irene und Alex für die vielen spannenden Einblicke in die praktische Naturschutzarbeit und die lehrreichen Erläuterungen zu den vorkommenden Arten. Außerdem bedanken wir uns bei Norbert, Fischi, Elke, Luca, Bibi, Felix und dem restlichen Bildungsteam für die Einbindung in die Aktivitäten.
Die Deitschen machen sich wieder auf den Weg in Ihre westliche Heimat und sagen Servus, Baba!
Stefan Lerchenberger und Torben Löw

















