Im Rahmen einer spannenden Naturexkursion erkundeten heute zehn Naturbegeisterte gemeinsam mit unseren Biolog:innen Irene und Alex das Naturschutzgebiet Glaslauterriegel-Heferlberg-Fluxberg in der Gemeinde Pfaffstätten. Ziel der Exkursion war es, die außergewöhnliche Vielfalt der Trockenrasenlandschaft entlang der Thermenlinie kennenzulernen. Trockenrasen gehören zu den ältesten Lebensräumen Österreichs und existieren bereits seit rund 600.000 Jahren. Gleichzeitig zählen sie zu den arten-, blüten- und insektenreichsten Offenlandschaften des Landes. Charakteristisch für diesen Lebensraum sind trockene, nährstoffarme und offene Böden sowie das warme pannonisch geprägte Klima. Gerade diese extremen Bedingungen ermöglichen es zahlreichen hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten, hier zu überleben.
Unsere Biolog:innen führten die Gruppe entlang der Pfaffstättner Weingartenböschungen hinauf zu den bunt blühenden Trockenrasenflächen. Bereits während des Aufstiegs konnten seltene Arten entdeckt werden. Besonders große Begeisterung löste die Raupe des Osterluzeifalters (Zerynthia polyxena) aus. Dieser seltene Schmetterling ist auf die Osterluzei (Aristolochia clematitis) als Futterpflanze angewiesen, die nur vereinzelt an den Weingartenböschungen vorkommt, da sie ursprünglich vor allem in Auwäldern verbreitet ist. Da die Pflanze giftige Inhaltsstoffe enthält, werden auch die Raupen für viele Fressfeinde ungenießbar und sind dadurch gut geschützt.
Während der Führung erfuhren die Teilnehmer:innen viel über die vielfältigen Tiere der Trockenrasen. Besonders beeindruckend war die Entdeckung eines Streifen-Schneckenspringers (Pellenes nigrociliatus), einer seltenen Springspinnenart, die warme und trockene Lebensräume bevorzugt und ihre Eier in leeren Schneckenhäusern ablegt, die sie oft in auffälliger Weise in der Vegetation befestigt. Ebenso faszinierend war die Zebraschnecke (Zebrina detrita), eine typische Trockenrasenart, die sich durch ihr hell gestreiftes Gehäuse auszeichnet. Spannend waren auch die Erzählungen über die unterschiedlichen Lebensweisen der Wildbienenarten. Viele dieser Arten sind auf offene Bodenstellen angewiesen, in denen sie ihre Nester bauen. Wildbienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern überhaupt und sind häufig auf ganz bestimmte Blütenpflanzen spezialisiert. Dadurch reagieren sie besonders empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraumes.
Auch die Pflanzenwelt der Trockenrasen ist hoch spezialisiert. Typisch für die Region sind Federgras (Stipa pennata), Flaumeiche (Quercus pubescens), Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) sowie die Sibirische Glockenblume (Campanula sibirica). Viele der beobachteten Pflanzen besitzen kleine oder schmale Blätter als Anpassung an die extreme Trockenheit, wodurch sie Wasser sparen können. Besonders hervorzuheben ist außerdem die Kantabrische Winde (Convolvulus cantabrica), eine seltene Blütenpflanze, die in Österreich nur noch in Pfaffstätten vorkommt. Vorsicht galt jedoch beim Wandern durch die Trockenrasenflächen aufgrund des Diptams (Dictamnus albus). Diese optisch äußerst attraktive Pflanze kann bei Berührung in Kombination mit Sonnenlicht starke Hautreizungen und Verbrennungen verursachen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Führung lag auf der Vermittlung der Bedeutung aktiver Naturschutzmaßnahmen. Der Landschaftspflegeverein setzt sich seit vielen Jahren intensiv für die Erhaltung dieser wertvollen Biodiversitätshotspots ein. Regelmäßige Pflege- und Beweidungsmaßnahmen sind notwendig, da die Flächen ansonsten zunehmend verbuschen würden. Früher hielten große Pflanzenfresser wie Mammuts und Auerochsen die Landschaft offen, heute übernehmen dies Ziegen und Schafe sowie zahlreiche freiwillige Helfer:innen, Schulklassen und engagierte Bürger:innen. Besonders problematisch für die Trockenrasen sind Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und aus Abgasen sowie fehlende Pflegemaßnahmen. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen verschwinden lichtliebende Pflanzenarten und mit ihnen viele hochspezialisierte Insekten.
Besonders hervorzuheben ist das starke Engagement der Marktgemeinde Pfaffstätten. Sowohl finanzielle Unterstützung als auch großes bürgerliches Engagement tragen hier wesentlich zum Schutz dieser einzigartigen Lebensräume bei. Vor allem Bürgermeister Christoph Kainz setzt sich aktiv für die Erhaltung wichtiger Naturschutzflächen und Trockenrasengebiete ein. Gemeinsam mit zahlreichen motivierten Bürger:innen beteiligt sich die Gemeinde regelmäßig an Pflegeeinsätzen und Naturveranstaltungen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt der biologischen Vielfalt.
Zum Abschluss der Führung konnte noch das Nest der Schwarzen Mörtelbiene (Megachile parietina) beobachtet werden, einer seltenen Wildbienenart, die ihre Nester aus Lehm baut. Dazu bot sich außerdem ein beeindruckender Ausblick über das Wiener Becken. Die Kombination aus artenreicher Natur, faszinierenden Tier- und Pflanzenarten sowie engagierter Naturschutzarbeit machte die Exkursion zu einem besonderen Erlebnis und zeigte eindrucksvoll die Bedeutung des Naturschutzgebiet Glaslauterriegel-Heferlberg-Fluxberg für die Region.
Die Marktgemeinde Pfaffstätten ist Teil der Netzwerk Natur Region - unseres Netzwerks an Menschen für ein Netzwerk an Naturflächen - an der sich bereits 23 Gemeinden, 2 Wiener Bezirke und zahlreiche Vereine, Schulen, Landwirt*innen und Unternehmen der Region Thermenlinie-Wiener Becken beteiligen.
Die Trockenrasenexkursion findet in Kooperation des Landschaftspflegevereins mit der Marktgemeinde Pfaffstätten statt und wird durch die Marktgemeinde Pfaffstätten finanziert.
Magst auch Du helfen, die wunderbare biologische Vielfalt der Region zu erhalten? Dann mach mit bei einem unserer zahlreichen Pflegetermine und unterstütze aktiv den Schutz dieser einzigartigen Trockenrasenlandschaft. Nähere Infos findest Du hier.
Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Jasmin Rayner, Praktikantin LPV, erstellt.













