Die Gießhübler Heide ist eines der wenigen Naturgebiete in unserer Region, das schon seit Jahrzehnten mit Schafen beweidet wird. Zusätzlich wurde aber das Gras mehrmals im Jahr gemäht und auch im Herbst ein Großteil der Fläche gehäckselt, um einen „ordentlichen“ Eindruck zu machen.
Für viele Pflanzen und Tiere war diese intensive Bearbeitung ungünstig; manche von ihnen, wie Große Sägeschrecke (Saga pedo), Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila) oder Große Kuhschelle (Pulsatilla grandis) verschwanden weitgehend oder konnten sich nur in wenigen kleinen Rückzugsbereichen halten.
Seit 2022 erfolgt die naturschutzfachliche Betreuung von Beweidung und Pflege der Heide durch den Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken in Abstimmung mit der Grundeigentümerin Gemeinde Gießhübl. Für die Beweidung wurde ein Managementplan erstellt, die Schäferin Christa Veits übernahm die Flächen und es wird nicht mehr zusätzlich gemäht oder gehäckselt.
Im heurigen Frühjahr wurde der Erfolg der Umstellung deutlich sichtbar. 124 neue Jungpflanzen der Großen Kuhschelle blühten zum ersten Mal mit ein bis zwei Blüten pro Pflanze. In den Jahren davor wurden jeweils nur etwa 25 bis 30 ältere Pflanzen gezählt, die an einer Stelle der Heide blühten. Da Kuhschellen vom Samen bis zur ersten Blüte meist drei Jahre brauchen, zeigt diese Zunahme deutlich den Erfolg der Umstellung.
Zusätzlich wurden vom Botanischen Garten der Universität Wien hier im Jahr 2025 Samen der Großen Kuhschelle gesammelt und angezüchtet, um den Bestand dort, wo auf der Heide aktuell keine Kuhschellen mehr wachsen, ab Herbst 2026 noch weiter aufzustocken und die Pflanzen räumlich besser zu verteilen.
Was für die Kuhschelle gut ist, hilft natürlich auch vielen anderen seltenen und gefährdeten Arten, allen voran Wildbienen und Schmetterlingen.


