Heute legte unser Team, bestehend aus zwei Biolog:innen und drei Praktikant:innen, den Grundstein für mehrere neue Naturwiesen in der Stadtgemeinde Mödling. Mit viel Sorgfalt brachten sie auf insgesamt rund 1.617 Quadratmetern regionales Wildblumensaatgut aus und schufen damit die Voraussetzung für neue Lebensräume für Insekten und andere Tiere. Eingesät wurden Flächen im Hyrtlpark, an der Unteren Bachgasse/Duursmagasse, entlang der Franz-Gschmeidler-Promenade, an der Bertha-von-Suttner-Promenade sowie im Arnold-Schönberg-Park. Das Team des Landschaftspflegevereins beriet und begleitete die Anlage der Naturwiesen im Rahmen eines Biodiversitätsfondsprojekts der KLAR! Thermenlinie.
Die neuen Naturwiesen sind Teil eines größeren Konzeptes zur Vernetzung der biologischen Vielfalt im Siedlungsgebiet. Als Trittsteinbiotope sollen sie bereits bestehende ökologische Flächen miteinander verbinden und Insekten sowie anderen Tieren Nahrung, Rückzugsräume und Möglichkeiten zur Ausbreitung bieten. So entsteht von den großen Naturflächen am Kalenderberg und Eichkogel über weitere Trittsteine entlang der Thermenlinie bis nach Gumpoldskirchen und Baden ein immer dichteres Netzwerk wertvoller Lebensräume.
Die aufwendige Vorbereitung der Flächen war bereits im Vorfeld durch die Gartenbaufirma Kreitl erfolgt. Nach einer Untersuchung des Bodens wurde die bestehende Grasnarbe möglichst vollständig entfernt. Dieser Arbeitsschritt ist besonders wichtig, da verbliebene Rasengräser rasch wieder austreiben und die Entwicklung der eingesäten Wildpflanzen behindern können. Auf schweren, lehmigen Böden wurde zusätzlich Sand eingearbeitet. Dabei wurde alter Sand von Spielplätzen verwendet. Anschließend wurden die Flächen glattgerecht und für die Einsaat vorbereitet.
Zum Einsatz kam regionales, REWISA-zertifiziertes Saatgut von Voitsauer Wildblumensamen, das von Karin Böhmer produziert wurde. Die verwendete Mischung enthielt 73 Arten, darunter Pflanzen trockener und feuchter Wiesenstandorte, Ruderalarten und verschiedene Decksaatarten. Einige rasch wachsende Ackerbegleitpflanzen wie Kornrade (Agrostemma githago), Kornblume (Centaurea cyanus), Färber-Hundskamille (Cota tinctoria) und Österreichische Hundskamille (Cota austriaca) sollen bereits früh für erste Blühaspekte sorgen. Regional gewonnenes Saatgut ist besonders wertvoll, weil die Pflanzen an die Klima- und Standortbedingungen der Region angepasst sind.
Da die enthaltenen Samen sehr unterschiedlich groß waren, wurde das Saatgut von Hand auf den vorbereiteten Flächen verteilt. Viele der ausgesäten Wildpflanzen sind Lichtkeimer. Ihre Samen durften daher nicht mit Erde bedeckt werden, sondern mussten an der Oberfläche verbleiben. Nach der Aussaat wurden die Flächen gewalzt. Dadurch erhielten die Samen den notwendigen Bodenkontakt und wurden zugleich vor dem Verwehen geschützt. Feuchtigkeit löst bei vielen Arten die Keimung aus, während manche Samen zusätzlich einen Kältereiz benötigen.
Im pannonisch geprägten Klima ist der Herbst der beste Zeitpunkt für die Anlage einer Naturwiese. Die Pflanzen können die kühlere und feuchtere Jahreszeit zum Keimen und Anwachsen nutzen und dadurch mit einem wichtigen Entwicklungsvorsprung in den nächsten Frühling und Sommer starten.
Mit der Einsaat allein ist die Arbeit jedoch noch nicht abgeschlossen. Im ersten Jahr werden die Flächen dreimal kontrolliert, in den beiden darauffolgenden Jahren ein- bis zweimal. Dabei werden unerwünschte und invasive Pflanzen wie zum Beispiel Ragweed (Ambrosia artemisiifolia), invasive Goldruten (Solidago canadensis und Solidago gigantea) oder Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus) gezielt entfernt.
Eine Naturwiese ist nicht einfach eine Blumenwiese und ihr ökologischer Wert endet nicht mit der Blüte. Auch Stängel, Blätter und Samenstände bieten Insekten Nahrung, Verstecke und Überwinterungsmöglichkeiten. Deshalb sollen die Flächen nicht zu früh und nicht vollständig auf einmal gemäht werden. Die Mahd erfolgt höchstens zweimal jährlich und erst nach dem Aussamen. Dabei wird eine Schnitthöhe von acht bis zehn Zentimetern eingehalten. Das Schnittgut wird anschließend entfernt, jedoch nicht mit einem saugenden Mäher aufgenommen, da dadurch auch zahlreiche Samen und Insekten verloren gehen.
Wir bedanken uns bei der Stadtgemeinde Mödling, der KLAR! Thermenlinie und allen Beteiligten für die sorgfältige Vorbereitung und Umsetzung dieses wichtigen Biodiversitätsprojekts sowie bei unseren Biolog:innen Irene und Benedikt für die spannenden fachlichen Einblicke!
Die Stadtgemeinde Mödling ist ein wichtiger Teil der Netzwerk Natur Region – unseres Netzwerks an Menschen für ein Netzwerk an Naturflächen – an der sich bereits 23 Gemeinden, drei Wiener Bezirke sowie zahlreiche Vereine, Schulen, Landwirt:innen und Unternehmen aus der Region Thermenlinie-Wiener Becken beteiligen.
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Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Werner Mößler, Praktikant LPV, erstellt.










