Heute Abend trafen sich 66 Naturinteressierte, davon 15 Teilnehmende der Umweltbaustelle „Vielfalt am Alpen-Ostrand“, um an der von unseren Biologen Norbert und Benedikt geleiteten dreistündigen Exkursion im Naturschutzgebiet Heferlberg-Glaslauterriegel-Fluxberg in der Marktgemeinde Pfaffstätten teilzunehmen. Im Rahmen der spannenden Nachtexkursion wanderte die Gruppe durch die Weinbaulandschaft hinauf zu den artenreichen Trockenrasen, um deren Tier- und Pflanzenwelt hautnah zu entdecken. Schmetterlingsexperte Peter Buchner baute für die Besucher:innen währenddessen einen Leuchtturm auf, der sowohl Nachtfalter als auch andere Insekten anlockte.
Herzlich begrüßt wurden wir durch Landtagsabgeordneten und Bürgermeister Christoph Kainz, der auf eine Anekdote von LPV-Obfrau Irene Drozdowski verwies. Sie hatte ihm erzählt, vergleiche man die Vielfalt der Pfaffstättner Trockenrasen mit einem Architekturjuwel, so hätte man hier „direkt vor uns das Schloss Schönbrunn stehen!“. Tatsächlich bieten die Trockenrasen der Region zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, darunter der Großen Sägeschrecke (Saga pedo), dem Neuntöter (Lanius collurio), der Roten Röhrenspinne (Eresus kollari), der Großen Kuhschelle (Pulsatilla grandis), dem Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) sowie dem Diptam (Dictamnus albus).
Zu Beginn der Exkursion gab es eine spannende Einführung in die Entstehung der Trockenrasen. Die Teilnehmenden erfuhren, dass viele dieser artenreichen Offenlandlebensräume durch den Einfluss großer Pflanzenfresser und später durch die jahrhundertelange menschliche Nutzung geprägt wurden. Bereits vor der Landwirtschaft hielten große Pflanzenfresser wie Wisente und Mammuts die Landschaft stellenweise offen. Mit der Ausbreitung der Landwirtschaft übernahmen Nutztiere wie Schafe und Ziegen diese Funktion. Mit dem Rückgang der Weidetierhaltung nach dem Zweiten Weltkrieg verbuschten viele Trockenrasen zunehmend. Um diese wertvollen Lebensräume zu erhalten, sind daher gezielte Pflegemaßnahmen notwendig, wie etwa Freiwilligeneinsätze im Rahmen der Umweltbaustelle „Vielfalt am Alpen-Ostrand“, die in dieser Woche bereits zum neunten Mal in Pfaffstätten stattfindet.
Im Laufe des Abends lauschten wir sowohl heimischen Eulenrufen als auch den für uns hörbar gemachten Ultraschallrufen der Fledermäuse, die mithilfe eines Fledermausdetektors eingefangen wurden. Wir bestaunten eindrucksvolle Präparate der Großen Sägeschrecke (Saga pedo) sowie des Wiener Nachtpfauenauges (Saturnia pyri) und stolperten auf unserem Weg nach oben buchstäblich über eine Schlingnatter (Coronella austriaca), die gerade einen Artgenossen fraß, sowie einen daneben sitzenden Hirschkäfer (Lucanus cervus). Am höchsten Punkt unserer Exkursion trafen wir auf Schmetterlingsexperte Peter Buchner und den von ihm errichteten Leuchtturm. Hier konnten Nachtfalterarten wie Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria) oder Ampferspanner (Timandra comae) sowie viele weitere Insektenarten bewundert werden.
Die Marktgemeinde Pfaffstätten ist Teil der Netzwerk Natur Region - unseres Netzwerks an Menschen für ein Netzwerk an Naturflächen - an der sich bereits 23 Gemeinden, 2 Wiener Bezirke und zahlreiche Vereine, Schulen, Landwirt*innen und Unternehmen der Region Thermenlinie-Wiener Becken beteiligen.
Die Nachtexkursion findet in Kooperation des Landschaftspflegevereins mit der Marktgemeinde Pfaffstätten, der Gesunden Gemeinde Pfaffstätten und des Biosphärenpark Wienerwald Managements statt und wird durch die Marktgemeinde Pfaffstätten finanziert.
Wer sich für die faszinierende Artenvielfalt in Pfaffstätten einsetzen möchte, ist herzlich eingeladen, bei den Trockenrasenpflegetagen in Pfaffstätten von 06.–10. Oktober 2026 mitzuhelfen.
Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Ines Burgschwaiger, Praktikantin LPV, erstellt.














