Zum neunten Mal in Folge fand vom 02. August bis 08. August in Pfaffstätten die UmweltbaustelleVielfalt am Alpen-Ostrand, veranstaltet vom Österreichischen Alpenverein - Sektion Liesing-Perchtoldsdorf, Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken und der Marktgemeinde Pfaffstätten, statt. Dieses Jahr engagierten sich 16 Freiwillige, die meisten im Alter von 16 bis 30 Jahren, gemeinsam mit unseren Biolog:innen Irene, Norbert und Benedikt und fanden sich zu einer aufregende Woche zusammen.
Das Projekt wird genau hier durchgeführt, da die Thermenlinie aufgrund ihrer Lage zwischen Alpen und Pannonischer Tiefebene besonders artenreich ist. Von großer Bedeutung sind dabei die Trockenrasen, die zu den artenreichsten Offenland-Lebensräumen unserer Landschaft gehören und in denen sich durch ihre lange Entwicklung zahlreiche spezialisierte und heute seltene Pflanzen- und Tierarten etablieren konnten. Gleichzeitig sind die Trockenrasen an der Thermenlinie in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Von ursprünglich rund 1.660 Hektar sind heute nur noch etwa 72 Hektar erhalten. Viele dieser Flächen liegen zudem isoliert voneinander. Ziel des Projekts ist es, ehemalige Trockenrasen wiederherzustellen und die verbliebenen Flächen durch sogenannte Biotoptrittsteine miteinander zu verbinden.
Am Sonntag bezog die Gruppe die Räumlichkeiten der Sportunion Pfaffstätten, die dankenswerterweise als Unterkunft zur Verfügung gestellt wurden. Küche und Waschräume sowie die vom Roten Kreuz Baden bereitgestellten Feldbetten boten alles Nötige für die gemeinsame Woche. Nach einer Vorstellungsrunde und einer gemeinsamen Besprechung ging es am Nachmittag bereits auf Exkursion in das Naturschutzgebiet Heferlberg-Glaslauterriegel-Fluxberg.
Biologin Irene erklärte den Umweltbaustellen-Teilnehmer:innen die Hintergründe und die Wichtigkeit der bevorstehenden Arbeiten sowie Wissenswertes über das Gebiet. Gemeinsam wurde besprochen, dass die heutigen Trockenrasenlebensräume bereits seit vielen Jahrtausenden durch große Pflanzenfresser wie Mammuts und Wisente mitgeprägt wurden und heute vor allem durch Beweidung mit Schafen und Ziegen sowie gezielte Gehölzentfernung erhalten bleiben. Arten wie Große Sägeschrecke (Saga pedo) und Östlicher Schmetterlingshaft (Libelloides macaronius) sind auf diese Lebensräume angewiesen. Auch die enge Verbindung zwischen Pflanzen- und Tierwelt wurde thematisiert: So benötigen die Raupen des Segelfalters (Iphiclides podalirius) Schlehen als Nahrungspflanzen, während Eichen zahlreichen Insektenarten, darunter Gallwespen (Cynipidae), als Lebensraum und Wirtspflanzen dienen. Gleichzeitig wurde erklärt, dass die Schwarzföhre (Pinus nigra) zwar seit der Eiszeit in der Region vorkommt, heute jedoch zunehmend unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet und sukzessive verschwindet. Die gezielte Pflege offener Flächen ist daher entscheidend, um die wertvollen Trockenrasen und ihre biologische Vielfalt zu erhalten.
Die folgenden Arbeitstage waren von außergewöhnlich hohen Temperaturen zwischen 36 und 40 °C geprägt. Um die kühleren Morgenstunden zu nutzen, startete die Arbeit immer bereits um 6 Uhr und dauerte bis etwa 12:30 Uhr.
Am Montag sowie am Dienstag ging es für das Team mit Unterstützung einiger weiterer Freiwilliger aus der Region in die Einöde. Auf einer Fläche mit hohen, alten Schwarzföhren (Pinus nigra) galt es, junge, aufkommende Gehölze zu entfernen. Mit Krampen, Scheren und einem Treepopper wurden kleine Bäume und Sträucher beseitigt, wobei einzelne Gehölze gezielt für Vögel und Insekten stehen gelassen wurden. Das Schnittgut wurde zunächst auf Planen gesammelt und im Anschluss gemeinsam an den Flächenrand getragen. Von den frühen Morgenstunden bis zur Mittagszeit wurde fleißig gearbeitet, um geeignete Bedingungen für das Aufkommen von Trockenrasenvegetation zu schaffen.
Nach einer wohlverdienten Pause am Dienstagnachmittag stand am Abend anschließend eine Nachtexkursion auf dem Programm. Gemeinsam mit unseren Biologen Norbert und Benedikt sowie den Schmetterlingsexperten Peter Buchner und Alfred Leitgeb erkundeten insgesamt 66 Naturinteressierte das Naturschutzgebiet Heferlberg-Glaslauterriegel-Fluxberg bei Nacht. Neben dem Umweltbaustellen-Team und zahlreichen interessierten Bürger:innen war auch Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Christoph Kainz mit dabei. Im Mittelpunkt standen nachtaktive Insekten, Fledermäuse und Eulen.
Am Mittwoch konnte sich das Team von den ersten beiden Arbeitstagen erholen und den freien Tag individuell gestalten. Aufgrund der großen Hitze nutzten einige die Gelegenheit für einen Ausflug ins Strandbad Baden und stellten dort rekordverdächtig schnelle und kreative Rutschvarianten auf. Am Vormittag fand außerdem ein Pressegespräch mit regionalen Medien und dem Kurier TV statt, bei dem über die Umweltbaustelle und die Bedeutung der Trockenrasen informiert wurde. Organisiert und durchgeführt wurde es von den beiden Pressepraktikanten Anna Zinsmeister und Johannes Beck, als Gesprächspartner waren LPV-Obfrau Irene Drozowski, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Christoph Kainz sowie Schäferin Christa Veits dabei.
Abends folgte das gemeinsame Grillfest mit zahlreichen Unterstützer:innen und Sponsor:innen. Unter den Gästen waren Naturschutzbund NÖ-Geschäftsführer Thomas Horvath, Biosphärenpark Wienerwald-Direktor Andreas Weiss, Bürgermeister Christoph Kainz, Vertreter:innen der Sportunion Pfaffstätten, Manuel Strasser vom Roten Kreuz Baden, Biosphärenpark Wienerwald-Botschafterin Martina Reitmair-Rieser sowie Umweltgemeinderat Matthias Schützl. Besonders machten den Abend die Musik von Bürgermeister Christoph Kainz auf seiner Ziehharmonika und das von Andreas Weiss selbst gebraute Bier, das wir kosten durften. Bei gemütlichem Beisammensein und einem vom Bürgermeister spendierten Eis klang der Abend aus.
Am Donnerstag ging es vorerst ein letztes Mal in die Einöde. Die Arbeiten wurden fortgesetzt, aufkommendes Gebüsch entfernt und der Boden freigelegt. Dabei konnten wir eine wunderschöne Gottesanbeterin (Mantis religiosa) sowie eine Laubholz-Säbelschrecke (Barbitistes serricauda) entdecken. Die wärmeliebende Heuschrecke findet auf den trockenen, sonnenexponierten Flächen ideale Lebensbedingungen. Am Ende des Arbeitstages war der Fortschritt gut ersichtlich und die Fläche vorbereitet, um in naher Zukunft von den Österreichischen Bundesforsten bearbeitet zu werden. Dann wird ein Teil des Föhrenbestandes entnommen, ein nächster Schritt in der Wiederherstellung der Trockenrasenbereiche.
Am Freitag führte der letzte Arbeitstag die Gruppe schließlich auf den Heferlberg. Dort waren bereits durch die Österreichischen Bundesforsten Bäume entnommen worden. Die Gruppe arbeitete unter Anleitung unseres Biologen Norbert Hand in Hand, um geschnittenes Holz und Laub von der Fläche zu schaffen. Immer wieder konnten Smaragdeidechsen (Lacerta viridis) gesichtet werden, die sich in den Totholzstapeln äußerst wohlfühlen und durch ihre Farbpracht bereits von Weitem gut erkennbar waren. Nach sechs Stunden harter Arbeit konnte erneut der Boden freigelegt und so geeignete Bedingungen für das Aufkommen von Trockenrasenarten geschaffen werden.
Abends fand der krönende Abschluss beim Großheurigen statt, zu dem die Marktgemeinde Pfaffstätten eingeladen hatte. Nach einer ereignisreichen Woche wurde dort gemeinsam gefeiert. Die vergangenen Tage mit ihren anstrengenden und zugleich lustigen Momenten sorgten für viele Gespräche und Lacher. Auch die Erfahrungen und Erkenntnisse der Woche wurden gemeinsam besprochen.
Am Samstag stand schließlich noch das Aufräumen und Putzen des Sportunionsgebäudes auf dem Programm, damit dieses auch für kommende Umweltbaustellen-Gruppen wieder zur Verfügung stehen kann.
Die Umweltbaustelle Vielfalt am Alpen-Ostrand wird in Kooperation von Österreichischem Alpenverein - Sektion Alpenverein Liesing Perchtoldsdorf, Landschaftspflegeverein und der Gemeinde Pfaffstätten organisiert und durchgeführt. Die Sportunion stellt dankenswerterweise ihr Vereinsgebäude als Quartier zur Verfügung. Das Rote Kreuz Niederösterreich - Bezirksstelle Baden stellt Feldbetten für die Übernachtung bereit. Sehr wertvolle organisatorische und wesentliche finanzielle Unterstützung leisten Alpenverein-Akademie und Alpenvereinsjugend Österreich. Weitere Partner sind Biosphärenpark Wienerwald Management, Naturschutzbund NÖ und weitere Grundeigentümer.
Die Wiederherstellung der Trockenrasen in Bad Vöslau, Baden und Pfaffstätten findet in Kooperation der Gemeinden Baden, Bad Vöslau und Pfaffstätten, Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken, Biosphärenpark Wienerwald Management, Österreichischen Bundesforsten und Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (beide für den Biosphärenpark), privaten Grundeigentümern, Naturschutzbund Niederösterreich, Verein Hirtenkultur, Schäferin Christa Veits, Schäfer Matthias Frank, zahlreichen Freiwilligen, Schulklassen, Firmengruppen und Vereinen wie Alpenvereins-Jugend und Alpenverein Sektion Liesing-Perchtoldsdorf statt. Die Beweidung der Wiederherstellungsflächen 2026-2028 wird im Rahmen des Projektes „Weidelandschaften an der Thermenlinie“ über WIN#Landwirtschaft – eine Initiative der BILLA-Naturschutzstiftung Blühendes Österreich in Kooperation mit Birdlife Österreich und Impact Hub Vienna – über Pfandspenden bei BILLA und BILLAplus finanziert.
Hier geht es zu den Presseartikel von NÖN Baden, Mein Bezirk
Hier geht es zum Beitrag auf Kurier TV
Hier geht es zu den Website-Berichten von 2018, 2019, 2020, 2021, 2022, 2023, 2024 und 2025.
Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Sidonie Nessl, Praktikantin LPV, erstellt.










































