Beim diesjährigen Einsaattermin in Seibersdorf stand erneut die ökologische Entwicklung im rund acht Hektar großen Grünflächengelände am Austrian Institute of Technology GmbH Seibersdorf im Mittelpunkt. Seit 2022 wurde die Pflege der Grün-Flächen ökologisiert, das Gießen eingestellt, die Mahd auf 1x jährliche Mahd umgestellt und in Teilbereichen Streifen mit REWISA-Saatgut zur weiteren Erhöhung der Pflanzenvielfalt angelegt. Durch den trockenen Standort und den nährstoffarmen Steinfeldschotter im Untergrund ist das Gelände besonders gut für die Entwicklung von artenreichen (Halb)Trockenrasen und Magerwiesen geeignet.
Auch um Neubauten wird Wert auf die Anlage artenreicher Naturwiesen gelegt. Der nährstoffarme Mutterboden wurde beim Bau zur Seite gelegt und im Anschluss für die Geländemodellierung wiederverwendet. Für die Grünflächen wurde lediglich eine 3cm tiefe Schicht humoser Boden aufgebracht. Zur Vorbereitung der Einsaat wurde die Fläche noch einmal mit einer Umkehrfräse vollständig gefräst und so Humus und Mutterboden gemischt. Auf das Aufbringen von größeren Mengen nährstoffreicher Erde wurde bewusst verzichtet, da die nährstoffarmen Bedingungen Grundlage für eine Pflanzenarten-reiche Grünfläche und möglichst wenig Pflegeaufwand sind.
Sieben Biolog:innen und Praktikant:innen des Landschaftspflegevereins brachten anschließend regionales, heimisches Wildblumensaatgut (REWISA-zertifiziert) von Voitsauer Wildblumensamen aus. Die eigens zusammengestellte Saatgutmischung enthält typische Pflanzen trockener, nährstoffarmer Trocken- und Halbtrockenrasen, darunter verschiedene Thymian-Arten (Thymus spp.), Österreich-Lein (Linum austriacum), Bartgras (Bothriochloa ischaemum), Feld-Mannstreu (Eryngium campestre), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), sowie Ackerwildkräuter wie die Kornrade (Agrostemma githago) als Decksaat. Das Saatgut ist besonders wertvoll, da es in der Region von Hand gesammelt wurde und damit die regionale genetische Anpassung der Pflanzen an die Bedingungen der Region genutzt wird. Auffrischender Wind machte die Aussaat dabei zu einer gewissen Herausforderung.
Zusätzlich wurde im ersten Schritt eine Decksaat aus Buchweizen (Fagopyrum esculentum) ausgebracht, der auch bei Sommerhitze und wenig Wasser keimt. Er soll die Fläche rasch bedecken und dadurch Ruderalvegetation sowie allfällige invasive Neophyten zurückhalten. Dieses Saatgut wurde mit Rechen leicht in den Boden eingearbeitet. Anschließend wurde das Wildblumensaatgut aufgestreut (nicht in den Boden eingearbeitet, die Pflanzen sind zumeist Lichtkeimer!) mit einer Rasenwalze angedrückt, um einen guten Bodenkontakt herzustellen und ein Verwehen der Samen zu verhindern.
Die Entwicklung der Naturwiese wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Viele der eingesäten Wiesenpflanzen sind mehrjährig und benötigen mehrere Jahre, bis sie zur Blüte kommen. In den ersten Jahren wird vor allem die Decksaat für viele Blüten sorgen. Wichtig für die Entwicklung ist die angepasste Pflege: Die Flächen werden nur einmal jährlich im Spätsommer bis Herbst gemäht, damit sich die Pflanzen und eine Insektenvielfalt möglichst ungestört entwickeln können. Auch eine regelmäßige Bewässerung darf keinesfalls erfolgen, da dadurch Pflanzen mit höheren Feuchtigkeitsansprüchen gefördert würden, die die niedrigwüchsigen Arten der (Halb)Trockenrasen überwachsen würden.
Wir freuen uns schon darauf, die Entwicklung der neu eingesäten Naturwiese in den kommenden Jahren zu beobachten – bis aus der heute noch vollständig offenen Fläche artenreiche und blütenreiche (Halb)Trockenrasen entstehen!
Ein herzliches Dankeschön gilt Philipp Käfinger vom AIT Seibersdorf für sein großartiges Engagement zur Ökologisierung der Grünflächen im Forschungszentrum Seibersdorf, die Organisation der notwendigen Rahmenbedingungen und die tolle Zusammenarbeit!
Mit der Umstellung der Grünflächenpflege für die biologische Vielfalt ist das AIT Seibersdorf Teil unserer Netzwerk Natur Region Thermenlinie-Wiener Becken. Unter diesem Namen baut der Landschaftspflegeverein seit 2017 ein Netzwerk an Menschen aus der Region auf, um gemeinsam wertvolle Naturflächen vor unserer Haustür zu erhalten und zu fördern.
Möchtest auch Du Dein Unternehmen grüner gestalten? Mehr Infos zur ökologischen Gestaltung von Grünflächen findest Du hier.
Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Jasmin Rayner, Praktikantin LPV, erstellt.











