Austrian Institute of Technology Seibersdorf

Ökologisierung der Grünflächen

Das Austrian Institute of Technology GmbH Seibersdorf stellte 2022 die Grünflächen-Pflege von rund 8 Hektar am Gelände des Forschungszentrums auf eine ökologische Pflege um, die die heimische Artenvielfalt fördern und auch einen Beitrag zu Klimaschutz und Klimawandelanpassung leisten soll. Wir dürfen im Rahmen unserer Netzwerk Natur Region die Entwicklung drei Jahre lang begleiten, die biologische Vielfalt vor Ort dokumentieren und durch Empfehlungen zur angepassten Pflege die Entstehung wertvoller Natur-Trittsteine in unserer Region unterstützen.

Obwohl über viele Jahre oft und sehr kurz gemäht wurde, zeigte sich schon im ersten Jahr der Umstellung - gemäht wird nur noch 1 bis maximal 2 mal im Jahr - eine reiche Blütenvielfalt von der viele Insekten leben. Neben der positiven Entwicklung für die biologische Vielfalt tragen die seltener gemähten Grünflächen wesentlich besser zur Kühlung der Umgebung bei, als kurz gemähte Flächen. Die Pflanzen verdunsten Wasser, das sie mit ihren weit in die Tiefe reichenden Wurzelsystemen aus dem Boden holen. Von der Verdunstungskälte profitieren Menschen und Tiere.

Die Grünflächen am Gelände sind auf vielen Flächen von Nährstoffarmut und Trockenheit geprägt. Dort kommen Trockenrasen- und Halbtrockenrasen-Pflanzen, darunter auch seltene Arten, vor. Karthäuser-Nelke, Heide-Löwenzahn, Felsennelke, Thymian-Arten, Bartgras, Ochsenzunge, Feld-Mannstreu, Gelbe Resede, Steppen-Salbei, Wiesen-Salbei, Brunelle, Kleiner Wiesenknopf, Kleine Wachsblume, Weinberg-Traubenhyazinthe, Fingerkraut-Arten, Siebenbürgen-Perlgras, Ochsenzunge, Echtes Labkraut, Hornklee, Bunt-Kronwicke sind nur einige der Kräuter, die ein reiches Blütenangebot für Insekten bieten. Darunter finden sich Sechsfleck-Widderchen,Schachbrettfalter, Gartenhummel, Zottiger Rosenkäfer, Staubkäfer, Bunthummel, Steinhummel, Gartenhummel und Dunkle Erdhummel.

Ein besonderer Fund gelang 2022: bei unseren Begehungen auf dem Gelände konnten wir das Rispen-Lieschgras (Phleum paniculatum) entdecken, das zuvor in Ost-Österreich über 100 Jahre lang nicht mehr gefunden wurde.

Fakten
  • Niederösterreich
  • Seibersdorf
  • Trockenrasen
  • Naturwiese
  • 2
Ansicht
Blütenmeer in Seibersdorf

Impressionen

Runzelnüsschen (Nonea pulla)

Runzelnüsschen

Das Runzelnüsschen (Nonea pulla) bevorzugt Halbtrockenrasen. Wenn regelmäßig früh gemäht wird, kommt es nicht zur Blüte und verschwindet nach einiger Zeit. Wie alle Raublattgewächse ist es auf Fremdbestäubung angewiesen, wenn ein Bestand so klein wird, dass die Pflanzen zu weit voneinander entfernt sind und Insekten den Pollen zwischen den Pflanzen nicht austauschen können, stirbt sie aus, obwohl sie regelmäßig blüht.

Bunt-Hummel

Die Bunthummel (Bombus sylvarum)lebt bevorzugt im Tiefland auf Halbtrockenrasen mit Gehölzbeständen, auf Streuobstwiesen und an Waldrändern. Ein Bunthummel-Volk besteht aus 80 bis 150 Tieren. Ihre Nistplätze sind oberirdische und unterirdische Mäusenester oder andere Unterschlupfe. Oberirdische Nester legt sie meist mit selbst gesammeltem Nistmaterial wie Moos oder Tierhaaren in Grasbüscheln an.

Bunthummel (Bombus sylvarium) auf Eselsdistel