Alte Schanzen

Kulturdenkmäler mit Naturschutzwert

Im Jahr 1866 begann der Preußisch-Österreichische Krieg. Kreisförmig wurden zur Verteidigung Wiens militärische Anlagen errichtet, einige davon in der Nähe von Stammersdorf. Die meisten dieser Schanzen sind heute mit Wald bewachsen, doch vier von ihnen blieben als Offenlebensräume erhalten. Heute sind sie als "Alte Schanzen" bekannt und haben zwar keine militärische Bedeutung mehr, dafür aber herausragenden naturschutzfachlichen Wert. Sie wurden daher bald als Naturdenkmäler unter Schutz gestellt. 

Nach dem Krieg wurde das Gebiet um die Alten Schanzen als Viehweide genutzt, Nutztiere hielten die Lebensräume offen und Büsche konnten nicht aufkommen. Das war gut für die Trockenrasen auf den trockenen, nährstoffarmen Böden. Pflanzen, die Trockenrasen bewohnen, sind an die dortigen Lebensbedingungen gut angepasst, woanders könnten sie sich nicht durchsetzen und werden von raschwüchsigeren Pflanzen verdrängt. Nachdem Mitte des 20. Jahrhunderts die landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben wurde, wanderten vermehrt Gehölze auf die Alten Schanzen ein, was den Lebensraum von Adriatischer Riemenzunge, Diptam, Zwerg-Schwertlilie, Bunt-Schwertlilie, aber auch Ziesel, Warzenbeißer und vielen Wildbienen verkleinerte.

Zum Glück wurde rechtzeitig erkannt, dass die Trockenrasen Pflege brauchen, um mit ihren seltenen Tieren und Pflanzen weiter zu bestehen. Die Stadt Wien beweidet die Alten Schanzen seit 2007 erfolgreich mit Ziegen. Sie fressen Blätter und Zweige von aufkommenden Sträuchern und helfen so der Verbuschung Einhalt zu gebieten. Das kommt vor allem den Zieseln aus der Umgebung zugute, die liebenswerten Nagetiere konnten seither die entbuschten Teile wieder besiedeln. Zur Pflege gehört auch das Entfernen von invasiven Pflanzen, wie Kanadische Goldrute, Götterbaum und Seidenpflanze. Als Landschaftspflegeverein führen wir regelmäßige Pflegetermine zur Bekämpfung von Neophyten durch. Heute sind die Alten Schanzen als Teil des Natura 2000-Gebietes Bisamberg geschützte Lebensräume von europaweiter Bedeutung.

Im Rahmen unseres Schulprojekts My Nature Floridsdorf führten wir 2020 bis 2022 zahlreiche Naturführungen und Pflege-Aktivitäten mit Schulklassen aus Floridsdorf auf den Alten Schanzen und am Bisamberg durch. Das erfolgreiche Projekt wird 2022 bis 2024 unter dem Namen My Nature Floridsdorf Plus fortgesetzt.

Fakten
  • Wien
  • Trockenrasen
  • 36
Ansicht
Alte Schanzen

Impressionen

Warzenbeißer (Decticus verrucivorus)

Warzenbeißer

Der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) ist eine große Heuschrecke, die in Österreich verbreitet ist. Früher glaubte man, daß ein Biss des Warzenbeißers helfen solle, Warzen loszuwerden. Werden auf Trockenrasen, Bergwiesen, Straßenböschungen oder trockenen Brachen Warzenbeißer gefunden, ist es ein Zeichen, daß die Lebensräume extensiv genutzt und Wiesen nicht zu früh im Jahr oder zu oft gemäht werden.

Bunt-Schwertlilie

Die Bunt-Schwertlilie (Iris variegata) wächst in lichten, trocken-warmen Halbtrockenrasen und Waldsteppen. In Österreich kommt sie nur im pannonischen Gebiet (Burgenland, Wien, Niederösterreich), sowie in Kärnten vor. Ihre dicken Rhizome helfen ihr, Trockenperioden durch gespeichertes Wasser gut zu überleben. Durch Teilung können Schwertlilien große Bestände bilden, die dann aus einem Klon bestehen, also alle von einer einzigen Pflanze abstammen. Bunt-Schwertlilien blühen auf den Alten Schanzen im Mai und Juni reichlich. Als Gartenpflanze ist sie hingegen nicht geeignet, da sie dort kaum blüht und nur schwierig zu kultivieren ist.

Bunt-Schwertlilie (Iris variegata)