Heute waren im Rahmen eines Pflegeeinsatzes sieben Praktikant:innen und neun Freiwillige unter fachkundiger Betreuung unseres Biologen Norbert im Einsatz, um invasive Goldruten (Solidago gigantea und Solidago canadensis) zu entfernen. Der Termin wurde von den Praktikant:innen selbst organisiert und erfolgreich durchgeführt.
Bei sommerwarmem Wetter arbeitete der Großteil der Gruppe auf der Schweizerwiese in Bad Vöslau, während kleinere Teams zusätzlich die Kuhheide und den Harzberg-Steinbruch von Goldruten befreiten. Mit Krampen, kleinen Scheren zum Abschneiden der Blüten sowie händischem Ausreißen wurden im Laufe des Tages große Flächen bearbeitet. Gesellschaft leisteten unseren Freiwilligen dabei zahlreiche Wespenspinnen (Argiope bruennichi), mehrere Gottesanbeterinnen (Mantis religiosa), ein Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima) und Hauhechel-Bläulinge (Polyommatus icarus), während am Wegesrand bereits die ersten Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) blühten.
Die Kanadische und die Riesen-Goldrute stammen ursprünglich aus Nordamerika und zählen bei uns in Europa zu den invasiven Pflanzenarten. Sie breiten sich sowohl über unterirdische Ausläufer als auch über zahlreiche flugfähige Samen aus. Werden sie nicht samt möglichst viel Wurzelmaterial entfernt und an der Samenbildung gehindert, können sie sich unkontrolliert weiter ausbreiten und heimische Arten verdrängen. Das entfernte Pflanzenmaterial wurde in Müllsäcken gesammelt und über den Restmüll entsorgt, da eine Entsorgung im Biomüll die weitere Ausbreitung begünstigen könnte.
Den Großteil des Tages verbrachten die Praktikant:innen und Freiwilligen auf der Schweizerwiese und einer benachbarten Fläche, auf der besonders viel Goldrute zu entfernen war – hier wurde früh gestartet, bevor sich nach einer Pause am Mittag die gesamte Gruppe wieder zusammenfand. Die rund 9.500 m² große Schweizerwiese ist eine der letzten wertvollen Restflächen der einst weit verbreiteten Feuchtwiesen im Wiener Becken. Bis 2019 war die Fläche stark verbuscht, bevor die Stadtgemeinde Bad Vöslau sie auf Initiative des Biologen Rupert Stingl erwarb; seit März 2021 wird sie schrittweise wiederhergestellt. Der Einsatz hat sich gelohnt. Heute wachsen hier wieder seltene Arten wie die Feuchtwiesen-Prachtnelke (Dianthus superbus subsp. superbus) und Pannonische Platterbse (Lathyrus pannonicus). Auch die Breitstirnige Plumpschrecke (Isophya costata), eine in Österreich stark gefährdete und äußerst seltene Heuschreckenart, ist hier zuhause.
Zwischenzeitlich rückten zwei Personen zur Kuhheide aus. Die Fläche war ursprünglich Teil eines großflächigen extensiven Weidegebiets. An den nie umgeackerten Randbereichen sind bis heute typische Trockenrasen-Pflanzen erhalten geblieben. Die im Eigentum der Stadtgemeinde Bad Vöslau stehende Fläche wurde bis vor kurzem von der Familie Herzog (Weinbau Herzog Brunngassen-Heuriger) als Ackerfläche bewirtschaftet. 2024 wurde im Rahmen eines Biodiversitäsfonds-Projekts heimisches und regionales Wildblumen-Saatgut (REWISA) eingesät, um die wertvollen Trocken- und Halbtrockenrasen wiederherzustellen. Die Pflanzen haben sich seither sehr gut entwickelt, aber auch hier muss die Goldrute von den frisch eingesäten Stellen entfernt werden.
Eine weitere Gruppe von fünf Personen arbeitet im Areal des ehemaligen Harzberg-Steinbruchs, der seit vielen Jahren aufgelassen ist und als Teil des Natura-2000-Gebiets Wienerwald-Thermenregion auf rund 85.000 m² ein Mosaik aus Felswänden, Schutthalden, Trockenrasen und Gebüschgruppen bildet. Damit ist er ein wichtiger Lebensraum für Uhu (Bubo bubo) und Kolkrabe (Corvus corax), die regelmäßig in den Felswänden brüten, für den im Winter beobachteten Mauerläufer (Tichodroma muraria) sowie für sowie für Smaragdeidechse (Lacerta viridis) und Mauereidechse (Podarcis muralis), deren wichtigstes Vorkommen in ganz Bad Vöslau hier liegt.
Die Stadtgemeinde Bad Vöslau sowie alle Praktikant:innen und Freiwilligen sind ein wichtiger Teil der Netzwerk Natur Region – unseres Netzwerks an Menschen für ein Netzwerk an Naturflächen – an der sich bereits 23 Gemeinden, drei Wiener Bezirke sowie zahlreiche Vereine, Schulen, Landwirt:innen und Unternehmen aus der Region Thermenlinie-Wiener Becken beteiligen.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Praktikant:innen und Freiwilligen für ihren Einsatz!
Auch Du kannst Teil unseres Netzwerks werden und bei Pflegeeinsätzen wie diesem mithelfen! Genauere Informationen dazu findest Du auf unserer Terminseite.
Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Rojda Clara Eraslan, Praktikantin LPV, erstellt.

















