Feuchtwiesen-Pflegetage im Herrngras in Moosbrunn

Freiwillige mit Rechen
Freiwillige bei der Abeit
Biolog:e mit Balkenmäher
Altbürgermeister mit Freischneider
Biologe mit Balkenmäher
Freiwillige rechen Schnittgut
Freiwillige tragen Plane
Freiwillige bei der Arbeit
Biologen hüpfen auf Schnittgut-Haufen
Freiwillige mit Rechen
Freiwillige Helfer:innen am Montag.
Biolog:e bei Altbürgermeister auf dem Traktor
Gottesanbeterin (Mantis religiosa)
Duftlauch (Allium suaveolens)
Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)
Freiwillige mit Plane
Freiwillige bei der Arbeit
Freiwillige rechen Schnittgut
Freiwillige laden Schnittgut ab
Freiwillige bei der Arbeit
Freiwillige vor Schnittgut-Haufen
Freiwillige im Schilf
Freiwillige im Schilf
Sumpfkreuzspinne (Araneus alsine)
Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium)
Freiwillige rechen Schnittgut
Freiwillige auf Schnittgut-Haufen.
Freiwillige mit Astscheren
Freiwillige Helfer:innen am Mittwoch
Freiwillige auf dem Weg nach Hause
Fläche mit entferntem Schnittgut.
Blühende Feuchtwiese

Von 10. bis 12. August fanden die jährlichen Sommer-Feuchtwiesenpflegetage im Herrngras in Moosbrunn statt. Wie auch in den vergangenen Jahren wurden auf den Flächen des Natura-2000-Gebiets Areale mit einem hohen Schilfanteil gemäht, um den ursprünglichen Charakter der Feuchtwiesen und Niedermoore Schritt für Schritt wiederherzustellen. Während die Temperaturen an einem Tag auf bis zu 36 °C kletterten, engagierten sich viele freiwillige Helfer:innen gemeinsam mit den Praktikant:innen und Biolog:innen des LPV auf den Flächen. An drei fast schon tropisch anmutenden Tagen wurde der Erhalt und die Wiederherstellung dieses stark gefährdeten Naturjuwels mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt sichergestellt.

Da viele neue Praktikant:innen an den Pflegetagen teilnahmen, gab es zu Beginn eine ausführliche Einführung in die Besonderheiten des Herrngras. Unsere Biologin Irene stellte das Gebiet vor und vermittelte Wissenswertes über die Geschichte, die Wiederherstellungsmaßnahmen seit 2020 sowie die besonderen Tier- und Pflanzenarten. Zu Letzteren zählen beispielsweise die EU-weit geschützten Schneckenarten Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) und Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior), die erst im vergangenen Jahr im Rahmen unseres Biodiversitätsfonds-Projekts von Michael Duda, Präsident des Vereins Molluskenforschung Austria (MOFA), nachgewiesen werden konnten. Auch das stark bedrohte Moor-Wiesenvögelchen (Coenonympha oedippus) findet hier einen wichtigen Lebensraum. Die Raupen des Falters sind auf Pfeifengräser (Molinia sp.) und Seggen (Carex sp.) angewiesen, deren Bestände durch die regelmäßige Entschilfung gefördert werden. Weitere seltene Pflanzenarten des Herrngras sind die Sumpf-Gladiole (Gladiolus palustris) und das Dickwurzel-Löffelkraut (Cochlearia macrorrhiza).

Nachdem die Einführung alle motiviert hatte, machten wir uns mit den seltenen Arten im Hinterkopf und ausgerüstet mit Rechen und Mähgeräten im teilweise schwer zugänglichen und stellenweise sehr nassen Gelände ans Werk.

Wie auch schon in den vergangenen Jahren wurde zunächst wieder mit dem Balkenmäher und/oder dem Freischneider gemäht, je nachdem, wie stark die jeweiligen Flächen verschilft waren und wie viele Unebenheiten im Boden vorhanden waren. Am ersten Tag wurden wir dabei tatkräftig von Altbürgermeister Gerhard Hauser unterstützt, der den Freischneider bediente. Unsere Biolog:innen Luca und Fischi waren gleichzeitig mit den beiden Balkenmähern im Einsatz. Anschließend wurde das Schnittgut zusammengerecht und mithilfe von Planen an den Flächenrand transportiert. Dort wurde das Material auf Haufen geschlichtet.

Dabei schafften die Freiwilligen nicht nur viele Kilos Schilf und anderes Pflanzenmaterial von der Fläche, sondern brachten auch mehr als 14 Gottesanbeterinnen (Mantis religiosa) und ihre Gelege in Sicherheit. Darüber hinaus konnten verschiedene Spinnenarten beobachtet werden, darunter die seltene und auffällig orange gefärbte Sumpfkreuzspinne (Araneus alsine). Auch zahlreiche subadulte Heupferde (Tettigonia sp.) und Libellen wie der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) wurden entdeckt. Besonders beeindruckend waren die über die Fläche kreisenden Bienenfresser (Merops apiaster), die hier vor ihrem Abflug in den Süden Rast machten.

Trotz großer Hitze schaffte es das motivierte Team, sich dieses Jahr in nur drei Tagen durch diese anspruchsvolle Fläche durchzuarbeiten. Am Dienstag bekamen wir außerdem großartige Unterstützung von Mitarbeitenden der Vienna Insurance Group, die im Rahmen eines CSR-Einsatzes mit anpackten und unser Team bei den Pflegearbeiten verstärkten. Bei der Arbeit zeigte sich einmal mehr, wie viel es auf den Feuchtwiesen zu entdecken gibt. Zwischen Schilf und dichtem Bewuchs kamen immer wieder typische Pflanzenarten zum Vorschein. Die an nasse Standorte angepassten Feuchtwiesenpflanzen wie der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), der Duftlauch (Allium suaveolens) und die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) standen in voller Blüte. Auch Wasserdost (Eupatorium sp.) und Gewöhnlicher Blutweiderich (Lythrum salicaria) blühten entlang der kleinen, mit Wasser gefüllten Gräben und Bäche und boten zahlreichen Insekten ein reiches Nektarangebot.

Die heute wieder artenreichen Feuchtwiesenflächen im Herrngras sind das Ergebnis langjähriger Wiederherstellungs- und Pflegearbeiten des Landschaftspflegevereins in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Moosbrunn, dem Grundeigentümer ORS, Landwirt:innen und Jäger:innen, dem Verein Ouvertura und weiteren Partner:innen sowie zahlreichen freiwilligen Helfer:innen, Praktikant:innen und diversen Firmengruppen. Da die teilweise sehr nassen und schwer zugänglichen Flächen jahrzehntelang nicht mehr bewirtschaftet worden waren, hatten sich Schilf und Gehölze stark ausgebreitet. Seit 2020 werden Teilflächen Schritt für Schritt wiederhergestellt und regelmäßig gepflegt. Wichtige finanzielle Unterstützung leisteten dabei unter anderem die Naturschutzstiftung Blühendes Österreich, durch die die Wiederherstellung von einem Hektar der Fläche mittels Mulchraupe ermöglicht wurde, sowie der Biodiversitätsfonds, durch dessen Förderung weitere 6.000 m² stark verschilfte Bereiche mit der ferngesteuerten Mulchraupe und einer Forstfräse erschlossen werden konnten. Nur aufgrund dieser vorausgegangenen Arbeiten umfasst das heutige mosaikartige Feuchtwiesengebiet Herrngras rund 16.000 m². 

Wir bedanken uns herzlich bei allen Freiwilligen und Kooperationspartner:innen für ihren Einsatz und hoffen auch in der Zukunft auf tatkräftige Unterstützung! Ihr seid ein wichtiger Teil der Netzwerk Natur Region - unseres Netzwerks an Menschen für ein Netzwerk an Naturflächen - an der sich bereits 23 Gemeinden, 3 Wiener Bezirke und zahlreiche Vereine, Schulen, Landwirt:innen und Unternehmen der Region Thermenlinie-Wiener Becken beteiligen.

Der Bericht wurde unter Mitarbeit von Ricky Victor BichlerPraktikant LPV, erstellt.